Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
 Universitätsmedizin Leipzig

Dünndarmatresie

Die Dünndarmatresie ist eine angeborene Erkrankung, bei der der Dünndarm (bestehend aus Leerdarm, lat. „Jejunum“ und Krummdarm, lat. „Ileum“) nicht durchgängig ist.

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Unser Behandlungskonzept
Nachbehandlung
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Erkrankung
Diese Erkrankung tritt entweder durch das Fehlen eines Darmanteiles (echte „Atresie") auf, oder durch eine Membran, die sich windsackartig in den Darm vorwölbt (Abb.1).
  Neugeborene/Dünndarmatresie1 Plus Symbol Abb. 1 Abb. 1: Formen der angeborenen Dünndarmatresie. (Quelle: von Schweinitz/ Ure. Lehrbuch „Viszerale und Allgemeine Chirurgie des Kindesalters", Springer-Verlag, 2009)

Bei manchen Kindern wird die Erkrankung bereits in der Schwangerschaft während der Vorsorgeuntersuchungen erkannt.
Behandelt werden kann die Dünndarmatresie nur durch eine Operation. Dabei wird entweder der Darm geöffnet und die Membran durchtrennt oder der kurzstreckige „fehlangelegte" Darm entfernt und die beiden Teile des Dünndarms aneinander genäht (Jejunojejunostomie oder Ileoileostomie). Liegen keine weiteren Erkrankungen vor (z.B. ein Kurzdarmsyndrom*), ist die individuelle Prognose für den Patienten sehr gut. Mit späteren Operationen oder Einschränkungen des täglichen Lebens muss man in der Regel nicht rechnen.

* Der Begriff Kurzdarmsyndrom (KDS) beschreibt einen Zustand der beeinträchtigten Nährstoffaufnahme aus dem Darm aufgrund unterschiedlichster Störungen im Magen-Darm-Trakt. Die verbleibende Funktion des Darms reicht nicht mehr zum Gedeihen des Kindes aus. Das KDS ist ebenfalls definiert als die Abhängigkeit von einer parenteralen Ernährung (über einen Katheter, der in eine große Vene eingebracht wird) sekundär zum funktionellen oder anatomischen Verlust von Darm.

Unser Behandlungskonzept
Diagnostik
Zunächst wird in der Klinik der Bauch des Neugeborenen geröntgt. Da sich nach der Geburt der Magen- und Darmtrakt des Neugeborenen mit Luft füllt, sieht man Luft nur bis zu dem Ort, wo durch die Atresie eine Unterbrechung in der Kontinuität des Darms besteht (Abb. 2a+b).
Neugeborene/Dünndarmatresie2a Plus Symbol Abb. 2a Abb. 2a: Röntgenabdomenleeraufnahme mit erweiterten Darmschlingen (Luft = schwarz/dunkel). Bild einer Jejunalatresie.
Neugeborene/Dünndarmatresie2b Plus Symbol Abb. 2b Abb. 2b: Röntgenabdomenleeraufnahme mit erweiterten Darmschlingen (Luft = schwarz/dunkel). Bild einer Ileumatresie.

Da Neugeborene mit einer Darmatresie nach dem Trinken erbrechen, wird ihnen ein dünner Schlauch aus Silikon („Magensonde") durch die Nase eingeführt. Damit werden die Sekrete (Speichel, Magensaft, Dünndarmsekret), die wegen der Fehlbildung des Darms nicht in den weiteren „stromabwärts" gelegenen Dünndarm fließen können, nach außen abgeführt. Ihr Kind kann in der Regel vor der Operation auf einer Normalstation betreut werden, wo ein Elternteil fortwährend beim Kind ist. Nur wenn Ihr Kind noch weitere Fehlbildungen hat (z.B. schwerer Herzfehler), kann es nötig sein, es zur größtmöglichen Sicherheit auf unserer Intensivstation zu betreuen.

Therapie
Die Operation ist einheitlich. Der vor der Atresie liegende und darum auch überdehnte Teil (Abb.3) des Dünndarms wird mit dem hinter dem fehlenden Darmabschnitt liegenden sehr schmalen Teil verbunden.
Neugeborene/Dünndarmatresie3 Plus Symbol Abb. 3 Abb. 3: Intraoperatives Bild einer Jejunalatresie. Man erkennt den deutlich erweiterten Darm (Bildmitte) und dann im Bild rechts davon (analog der Schemazeichnung) den unterentwickelten „stromabwärts" gelegene Dünndarm. Zwischen dem erweiterten und dem unterentwickelten Darm liegt die Atresie = Passagehindernis.

Dabei gleicht der Kinderchirurg die unterschiedliche Weite der beiden Darmanteile operativ an. Die Operation wird über einen Bauchschnitt durchgeführt und kann nur in ganz seltenen und ausgewählten Fällen über eine Bauchspiegelung (laparoskopisch und damit minimalinvasiv) ausgeführt werden. Über die Vor- und Nachteile der genauen Operation klären wir Sie vor der Operation ausführlich auf und versuchen, all Ihre Fragen in Ruhe zu beantworten.

Operation
Wir setzen einen quer über den Oberbauch verlaufenden Schnitt von einigen Zentimetern. Dann werden die Bauchorgane auf weitere Fehlbildungen untersucht. Die beiden Teile des Dünndarms werden freigelegt (Abb. 3). Der erkrankte Darmanteil (der meist nur wenige Zentimeter lang ist) wird entfernt. Anschließend näht der Kinderchirurg die beiden Teile zusammen. Diese Verbindung nennt man Anastomose oder im Falle der Dünndarmatresie Jejunojejunostomie oder Ileoileostomie. Die Naht besteht aus resorbierbarem Material. Die Fäden müssen später nicht mehr gezogen werden. Die Narbenbildung ist von der individuellen Veranlagung abhängig. Da der Schnitt die sogenannten Spaltlinien der Haut berücksichtigt, sind die Narben später oft weniger sichtbar, als erwartet.

Neugeborene mit einer Dünndarmatresie müssen je nach Begleiterkrankungen und nach weiteren Faktoren (z.B. Frühgeburtlichkeit) nach der Operation zwischen einer Woche und einigen Wochen im Krankenhaus bleiben. Sollte Ihr Kind nicht auf der Intensivstation liegen, werden Kind und Mutter während dieser Zeit auf der Säuglingsstation von unseren Kinderkrankenschwestern und dem ärztlichen Team betreut. In den ersten Tagen nach der Operation wird ihr Kind noch nicht über den Mund oder die Magensonde ernährt, sondern intravenös, über einen Tropf. Die Magensonde wird auch nach der Operation noch für einige Tage im Magen des Kindes belassen. Das ist notwendig, um die Sekrete (Speichel, Magensaft, Dünndarmsekret), die wegen einer vorübergehenden Schwellung des Dünndarms und der allgemeinen Trägheit des Dünndarms nach der Bauchoperation den weiteren Dünndarm noch nicht mühelos passieren können, abzuleiten.
Einige Tage nach der Operation kann Ihr Kind über den Mund ernährt werden. Wie lange es braucht, bis sein Darm normal funktioniert, ist jedoch nicht vorhersehbar. Jedes Kind nimmt sich dabei seine Zeit. Wenn Ihr Kind die Nahrung vollständig trinkt und kontinuierlich an Gewicht zunimmt, ist es gesund und kann nach Hause entlassen werden.

Nachbehandlung
Eine Wiedervorstellung zur Nachuntersuchung bei uns ist erst wieder nach ein paar Wochen vorgesehen. Da wir nur Fäden verwenden, die sich von selber auflösen, erfolgen die ersten postoperativen Kontrollen nach der Entlassung durch Ihren Kinderarzt bzw. Kinderärztin. Hier ist vor allem auf das Trinkverhalten und die ausreichende Gewichtszunahme des Kindes zu achten. Sollten allerdings noch Fragen offen bleiben oder wir im Einzelfall eine frühere Nachuntersuchung bei uns für angebracht halten, können Sie sich jederzeit wieder bei uns vorstellen.

Kontakt

Sie möchten Ihr Kind bei uns vorstellen oder sich über unsere Klinik informieren? 

Anfragen (jederzeit):                                   kinderchirurgie@medizin.uni-leipzig.de

Anmeldung (8:00-16:00 Uhr):                     0341 97 26400 

 
Letzte Änderung: 09.01.2016, 17:02 Uhr
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